Moorschutz heißt Klimaschutz!

Vortrag im Rahmen des Klimafrühlings Oberland

Der Schutz der Moore ist dem LBV seit über 20 Jahren ein großes Anliegen. Im Rahmen des Zusammenschlusses Tölzer Moorachse bestehend aus dem Landrat, dem Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern e. V., dem Bund Naturschutz, einem Vertreter des Bayerischen Bauernverbands, sowie Vertretern der unteren und höheren Naturschutzbehörde und den beiden Gebietsbe­treuerinnen im Landkreis konnten bereits einige Renaturierungspro­jekte im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen umgesetzt werden.

 

Die Bedeutung von naturnahen Mooren ist vielfältig. Sie reicht von Arten- und Biotopschutz, über Landschaftsgeschichte und Ästhetik bis hin zu Wasserrückhalt und Klimaschutz.
  

Saal im Posthotel Hofherr (Foto: Josef Kellner)
Saal im Posthotel Hofherr (Foto: Josef Kellner)

Die Kreisgruppe Wolfratshausen des Landesbund für Vogelschutz hatte zu diesem Thema im Rahmen des ersten Klimafrühling Oberland am Mittwoch Abend, 21.02.18, nach Königsdorf eingeladen – der Vortragsabend fand beeindruckenden Zuspruch: Der große Saal im Posthotel Hofherr war mit 100 Teilnehmern über den letzten Platz hinaus besetzt. Das überaus große Interesse am Thema Moorschutz und Klimaschutz war offenkundig.
  

Zugegen waren der Bürgermeistersprecher des Landkreises, Michael Grasl, Wasserwirtschaftsamtsleiter Roland Kriegsch (Weilheim-Schongau) mit Mitarbeitern, stellvertretender Forstbetriebsleiter Robert Krebs und der Naturschutzspezialist der BaySF, Klaus Huschik, Mitarbeiter des Amts für Landwirtschaft, Bereich Forsten, Landwirte, Moorgrundstückseigentümer, Naturschutzaktive und –interessierte.

 

Walter Wintersberger, Kreisgruppenvorsitzende des LBV begrüßte die Anwesenden. Mit einem Blick in die Vergangenheit berichtete er darüber, dass dem LBV Moorschutz aus Naturschutzgründen schon lange ein Anliegen war, Moorschutz aus Klimaschutz spielte dagegen in den 90er Jahren noch ein untergeordnete Thema. 

 

Landrat Josef Niedermaier würdigte in seinem Grußwort, dass die Tölzer Moorachse bereits seit 15 Jahre gemeinschaftlich Renaturierungsprojekte plant und durchführt. Fünf große Projekte konnten so umgesetzt werden: Königsdorfer Weidfilz, Auer Filz zwischen Königsdorf und Bad Heilbrunn, Sonnenhofer Filz bei Königsdorf, Kirchseefilz, Eglinger Filz.

Bereits sein Vorgänger im Amt, Altlandrat Manfred Nagler, habe ihm die Tölzer Moorachse als etwas ganz Besonderes ans Herz gelegt.

 

Landwirt Benedikt Zangl beschrieb eindringlich, wie sich die Landwirtschaft unter dem Druck der technischen Entwicklung und der Absatzmärkte entwickeln muss. Hierauf sollte der Verbraucher den Blick lenken und selbst entscheiden, wie er diese Entwicklung beurteilt und sich dazu verhält. Hr. Zangl berichtete aber auch vom beeindruckenden Erlebnis in einem renaturierten Moorgebiet, wie zu Füßen der Teilnehmer des Moorbegangs die Libellen schlüpften und die Gebietsbetreuer die Bedeutung der Pflanzen- und Tierwelt vermittelten. Es sei ihm wichtig, dass Mittel bereitstehen, um diese Naturschätze zu bewahren.

 

Gebietsbetreuerin Elisabeth Pleyl (Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern e. V.) betonte, welchen Umfang mit 11% der Fläche die Moore im Landkreis einnehmen. Moorrenaturierungen wurden bisher auf einem Viertel der noch relativ naturnahen Flächen umgesetzt, angefangen vor über 20 Jahren auf Flächen des Klosters Benediktbeuern. Durch die im Landkreis auf bisher rund 323 ha durchgeführten Moorrenaturierungen wird die Summe der jährlichen Treibhausgasemissionen um über 6.000 t CO2-Äquivalente gesenkt.

 

Gebietsbetreuerkollegin Birgit Weis des Landesbund für Vogelschutz nahm die Bedeutung einzelner Arten in den Fokus, aber auch die geschichtliche Bedeutung der Moore als Archive der vergangenen Jahrtausende. Sie zeigte, dass durch Aktionen mit Schulklassen den Kindern und Jugendlichen nahe gebracht wird, welche Schätze der Natur in ihrer Umgebung vorkommen. Sie schilderte auch das Vorgehen bei der Umsetzung der Renaturierung und dankte den vielen Ehrenamtlichen, die solche Projekte erst ermöglichen.

 

Prof. Dr. Matthias Drösler leitet das Institut für Ökologie an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Von 2011 bis 2013 war er als koordinierender Leitautor beim Weltklimarat (IPCC-CLA) für das wetlands supplement tätig. Er war trotz Kreuzbandriss für den Hauptvortrag aus Freising angereist. Seinen Bericht begann er mit den aktuellen und prognostizierten Veränderungen des regionalen Klimas. Anschießend betonte er, welche Bedeutung den Moorstandorten bei der Suche nach Verminderung der Kohlendioxidfreisetzung zukommt, da hier tiefe Kohlenstoffspeicher vorliegen und auf kleiner Fläche viel zur Einsparung klimawirksamer Gase erreicht werden kann. Am Beispiel des Klosterlands Benediktbeuern zeigte Prof. Drösler auf, wie die Abgabe von Kohlendioxid aus Torfzersetzung, die sich zwischen 15 und 30 Tonnen jährlich auf jedem Hektar Moorgrünland bewegt, auf diesen Flächen zwischen 1988 und 2008 halbiert wurden, durch Verzicht auf Düngung der Moorflächen und durch Wiedervernässung. Großflächige Lösungsansätze sieht Prof. Drösler in Paludikultur, dem Anbau von Rohstoffen auf Moorböden, so dass diese auch unter nassen Bedingungen wirtschaftlich genutzt werden können. Nur die nassen Moorböden sind vor Zersetzung des Torfes, der zum Schwinden der humosen Auflage und zum Verlust der Böden führt, geschützt, so dass in Niedersachsen stellenweise bereits Unterflurbewässerung zum Erhalt der Moorböden durchgeführt wird. Eine Grafik, die verschiedene Strategien zur Kohlendioxid-Vermeidung miteinander verglich, zeigte, dass Moorrenaturierung neben Hackschnitzelheizungen zu den günstigsten Möglichkeiten zählt.

 

Nach dem Vortrag beantwortete Prof. Drösler noch über eine halbe Stunde Nachfragen, die das große Interesse der Anwesenden zeigten.

 

Auch die Ausstellungen über Moore und Gebietsbetreuer in Bayern, die im Saal aufgebaut war, fand große Beachtung.

 

Elisabeth Pleyl und Birgit Weis, 15.03.18

Vertreter der Tölzer Moorachse mit Prof. Dr. Drösler (4. v. l.), Foto: Josef Kellner
Vertreter der Tölzer Moorachse mit Prof. Dr. Drösler (4. v. l.), Foto: Josef Kellner
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