Die Isar, ihre Bewohner und Besucher im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen

Isarverlauf

Knapp 66 km verläuft die Isar durch den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Sie entspringt im Karwendelgebirge bei Scharnitz, fließt weiter über Mittenwald, Krün, Wallgau und 14 km weitgehend unverbaut bis Vorderriß. Nach weiteren 6 km wird sie im Sylvensteinspeicher aufgestaut. Die Strecke führt weiter nach Fall, Lenggries und Bad Tölz. Nach der Ascholdinger und Pupplinger Au verlässt die Isar nördlich von Icking den Landkreis ins Isartal des Münchner Lands.

 

233 km von der Quelle entfernt mündet die Isar bei Plattling schließlich in die Donau. 
  

Isar-Verlauf von Scharnitz bis B. Tölz
Isar-Verlauf von Scharnitz bis B. Tölz
Isar-Verlauf von Bad Tölz bis München
Isar-Verlauf von Bad Tölz bis München
Isar-Verlauf von München bis Deggendorf
Isar-Verlauf von München bis Deggendorf

Wildfluss Isar

Absolut herausragend ist der Isarabschnitt oberhalb des Sylvensteinspeichers. Obwohl ein Großteil des Isarwassers am Krüner Wehr Richtung Walchensee abgeleitet wird, bildet die Isar zwischen Krün und Sylvensteinspeicher ein weit verzweigtes Flusssystem mit Kies- und Sandbänken. Bei Hochwasser und Starkregen findet hier durch die mitgeführte Geschiebefracht (bestehend aus  Sand, Kies und Totholz)  der Isar und den zahlreichen Seitengräben eine Umlagerung bestehender Kiesbänke und Inseln statt (Dynamik). Es werden wieder neue und offenere Bereiche im Flusssystem geschaffen und die Besiedlung mit Pionierpflanzen und Gehölzen beginnt von Neuem (Sukzession). Diese Prozesse sind charakteristisch für einen Wildfluss.

Eine zweite einfache Karte

Abb: Isarabschnitt Wallgau bis Rissbach bei Vorderriß

 

Eine gewisse Dynamik findet auch im Flussabschnitt unterhalb des Sylvensteinspeichers statt. Großflächige Umlagerungsstrecken finden sich wieder in der Ascholdinger und Pupplinger Au.
  

Schutz der Isar

Die Isar zählt mit Ausnahme des Stadtgebiets von Bad Tölz zum Europaschutzgebiet Natura 2000.

 

Exkurs Natura 2000:

Natura 2000 ist ein zusammenhängendes Netz von Schutzgebieten innerhalb der Europäischen Union, das seit 1992 nach den Maßgaben der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (kurz FFH-Richtlinie) errichtet wird.

Sein Zweck ist der länderübergreifende Schutz gefährdeter wildlebender heimischer Pflanzen- und Tierarten und ihrer natürlichen Lebensräume. In das Schutzgebietsnetz werden auch die gemäß der Vogelschutzrichtlinie (Richtlinie 79/409/EWG) ausgewiesenen Gebiete integriert.

 

Oberhalb des Sylvensteinspeichers bis zur Geschiebesprerre liegt die Isar im Naturschutzgebiet Karwendel und Karwendelvorgebirge (NSG-00171.01), dann in den Landschaftsschutzgebieten Sylvensteinsee und oberes Isartal in den Gemeinden Lenggries und Jachenau  (LSG-00341.01) sowie Isarauen (LSG-00202.01). Nördlich von Bad Tölz bis zur Landkreisgrenze verläuft die Isar im Naturschutzgebiet Isarauen zwischen Schäftlarn und Bad Tölz (NSG-00267.01) und teilweise in zwei weiteren Landschaftsschutzgebieten (LSG-00202.01 und LSG-00384.01).

 

Die Verordnungen zu den NSG und LSG sind verpflichtend:

http://www.lra-toelz.de/service-center/satzungen-rechtsgrundlagen/verordnungen/

 

Für das Natura 2000-Gebiet „Oberes Isartal“ (DE 8034-371) mit dem Isar- und Rißbachanteil aus dem FFH- und SPA- Gebiet „Karwendel mit Isar“  (DE 8433-301) liegt der FFH-Managementplan im Entwurf vor. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind auf Staatsgrund verpflichtend. Für private Eigentümer gelten sie als Empfehlung. Der Managementplan gibt jedoch Wissen und Klarheit über das Vorkommen und den Zustand besonders wertvoller Lebensräume und Arten, über die hierfür notwendigen Erhaltungsmaßnahmen, aber auch über die Nutzungsmöglichkeiten für Landwirte und Waldbesitzer. In Natura 2000-Gebieten gilt allgemein ein Verschlechterungsverbot.

 

Das Verschlechterungsverbot - Ein Beispiel:  Der FFH-Lebensraumtyp Alpine Flüsse mit Ufergehölzen von Deutscher Tamariske (Nr. 3230) kann in seinem Flächengröße nur erhalten werden, wenn regelmäßige, möglichst geschiebereiche Hochwässer zugelassen werden. So entsteht eine Umlagerung und Aufschotterung. Ohne diesen Prozess wird das lichtbedürftige Pioniergehölz aus Dt. Tamariske von konkurrenzstärkeren Gehölzen überwachsen so dass der Lebensraumtyp verschwindet. Um den Prozess der Neubildung von Kiesbänken und Inseln mit Deutscher Tamariske zu erhalten, besteht die Verpflichtung, Geschiebe einzubringen bzw. umzusetzen und dem Fluss genügend Wasser für Abtragungs-und Transport-Prozesse zu lassen.
  

Störungen und Beeinträchtigungen

1923 ging das Krüner Wehr in Betrieb. Der Großteil des Isarwassers wird zur Stromgewinnung über den Sachensee und Obernachkanal über das Obernacher Kraftwerk zum Walchensee geleitet. Das Walchenseekraftwerk im Gemeindegebiet Kochel ist seit 1924 in Betrieb. Das abgeleitete Wasser und das zurückgehaltene Geschiebe fehlen der Isar auf ihrem weiteren Streckenverlauf. Erst über den Loisachkanal bei Waldram/Wolfratshausen wird zumindest das Wasser wieder zurück in die Isar geleitet.  

 

Auch das Rissbachwasser wird der Isar entzogen und über einen Stollen dem Kraftwerk Niedernach zum Walchensee geleitet (Bau 1951).

 

1959 wurde der Sylvensteinspeicher fertiggestellt zur Niedrigwasseraufbesserung und aus Hochwasserschutzgründen. Auch hier wird das Geschiebe oberhalb des Speichersees zurückgehalten.

 

Zwischen Sylvensteinspeicher und Bad Tölz befinden sich erste längere Uferverbauungen. Nach Bad Tölz wird die Isar im Tölzer Stausee zur Stromgewinnung aufgestaut (Bau 1961). Im weiteren Verlauf befinden sich Uferverbauungen, Begradigungsabschnitte und abschnittsweise Umlagerungsstrecken.

Eine große Herausforderung für das Ökosystem ist der große Besucherstrom auf und an der Isar.  Ein umfangreiches Besucherlenkungskonzept ist erforderlich. Wenn Sie an der Isar unterwegs sind, informieren Sie sich bitte im Vorfeld und halten Sie sich an die Verordnungen.
  

Umsetzungsmaßnahmen

Besonders im Streckenverlauf Sylvensteinspeicher bis Bad Tölz wird versucht der Flusseintiefung durch das fehlende Geschiebe durch teilweise Geschiebe-Einbringung mit Lkw entgegenzuwirken.

 

Uferbefestigungen werden abschnittsweise entnommen bzw. nicht erneuert, um der Isar mehr Freiraum zu geben. Voraussetzung ist, dass Straßen und Bebauungen in Flussnähe bei Hochwasser nicht gefährdet werden.  Auch ist geplant, ehemalige Auengewässer der Isar wieder an den Fluss anzubinden.

http://www.wwa-wm.bayern.de/fluesse_seen/umsetzungskonzepte/index.htm

  

Pflanzen der Isarauen

Türkenbundlilie (Foto: Andrea Arends)
Frauenschuh (Foto: Andrea Arends)
Silberwurz  (Foto: Andrea Arends)

 

Kurzbeschreibungen siehe unter

Tiere auf und an der Isar

Fotos und Kurzbeschreibungen folgen demnächst
  

Wer setzt sich für die Isar ein?

Isarallianz, gegründet 1993 als Zusammenschluss von Verbänden und Vereinen um die Isar in einen bestmöglichen naturnahen Zustand zu versetzen.  Sie ist für den gesamten Streckenverlauf der Isar zuständig. Mitglieder sind neben dem Landesbund für Vogelschutz der Bayerische Kanu-Verband, Bund Naturschutz in Bayern, Deutscher Alpenverein, Landesfischereiverband Bayern, Münchner Forum, Verein zum Schutz der Bergwelt.

http://www.isar-allianz.de/

 

Der Landesbund für Vogelschutz ist seit den 1970er Jahren an der Isar aktiv. Wichtige Aktionen an der Isar: Monitoring von Isarvögeln (Flussseeschwalbe, Flussuferläufer, Flussregenpfeifer, Gänsesäger) seit 1970; zwei Gebietsbetreuer an der Isar (Karwendel und Karwendelvorgebirge sowie Moore und Isar im Tölzer Land) und die Hotspot-Koordinationsstelle Isar/Loisach; Leitbild zur touristischen Nutzung, u.a. Flößerei; Informationsbeschilderung, Umweltbildung, Führungen und Infostände.

http://bad-toelz.lbv.de

 

Rettet die Isar jetzt e.V. Gegründet wurde die Notgemeinschaft 1974. Seither setzt sie sich kontinuierlich für ein Restwasser in der Isar und deren Zuflüsse ein. Außerdem kämpft der Verein für eine naturverträgliche Freizeitnutzung an der Isar. Mitglieder sind ein Großteil der Isar ansässigen Gemeinden.

http://www.rettet-die-isar.de/

 

Isartalverein, gegründet 1902. Verein zum Schutz und Erhalt der Naturschönheiten der Isar. Zu den Projekten zählen u.a. Erwerb von Grundstücken im Isartal, Beweidung in der Pupplinger Au und bei Lenggries, Informationsbeschilderung und ein virtuelles Museum ‚Isargeschichten‘.

http://www.isartalverein.de/

 

Der Landesfischereiverband setzt sich für den Erhalt der naturnahen Isar und der Fischfauna ein. 2015 wurde eine Studie hinsichtlich der Geschiebeweitergabe unterhalb des Kraftwerks Bad Tölz mit Handlungsempfehlungen für die Verbesserung des fischökologischen Zustands erstellt. Der Landesfischereiverband vertritt die Interessen der lokalen Fischereiverbände. Hierzu zählen die Fischereiverbände Lenggries, Bad Tölz und Oberbayern.

http://lfvbayern.de/

 

Der WWF Deutschland ist im Rahmen des Projekts Alpenflusslandschaften - Vielfalt leben vom Ammersee bis zur Zugspitze seit einigen Jahren an der Isar aktiv. Eine umfangreiche Studie zur Wiederansiedlung von Wildflussarten (Deutsche Tamariske, Uferreitgras, Zwergrohrkolben, Starkbeborstete Sklavenameise) wurde 2017 erstellt.

Im Projekt Alpenflusslandschaften sind zahlreiche Verbundpartner mit Kleinprojekten an der Isar aktiv.

https://www.alpenflusslandschaften.de

 

Isar-Ranger werden vom Landratsamt (LRA) eingesetzt. Zu den Aufgabe zählen: Information von Erholungssuchenden (auch Führungen werden angeboten), Verbotsbestimmungen durchzusetzen, Mäharbeiten, Wegmarkierungen und Vogelschutzbeschilderungen. Im Landkreis sind ab April 2018 sechs Isar-Ranger im Einsatz. Sie werden unterstützt von Naturschutzwächtern (im Landkreis durch Bergwacht). Isar-Ranger und Naturschutzwächter sind über das LRA erreichbar, Tel. 49 8041 505-325.

http://www.lra-toelz.de/buerger/behoerdenleistungen/natur-umwelt-wasser-landwirtschaft/naturschutz/isarranger/

 

Abschließend soll Privatpersonen, Heimatpflegern sowie den Naturschutzfachkräften und Sachgebietsleitern im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen für ihren Einsatz an der Isar gedankt werden.

 

Birgit Weis
  

Literatur:

  • Wasserwirtschaftsamt Weilheim, 13.10.2017: Umsetzungskonzept „Hydromorphologische Maßnahmen nach EG-WRRL für den Flusswasserkörper 1_F375 „Isar vom Sylvensteinspeicher bis Bad Tölz (Fkm 202,8)“
     
  • Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen, 10.4.2014: Managementplan für das FFH-Gebiet „Oberes Isartal“(DE 8034-371) mit dem Isar- und Rißbachanteil aus dem FFH- und SPA- Gebiet „Karwendel mit Isar“  (DE 8433-301, Teil I – Maßnahmen - Entwurf)

  • de.wikipedia.org/wiki/Natura_2000
© Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V.
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