Artenreiches Grünland: Biodiversität macht Schule

Hinter dieser Überschrift verbirgt sich ein großes Umweltbildungsprojekt, das die LBV-Bezirksgeschäftsstelle Oberbayern im Frühjahr 2021 startete.

Artenreiches Grünland soll im Projekt für Kinder erlebbar gemacht werden. Das Bildungsangebot wurde in Kooperation mit der Akademie für Naturschutz in Laufen (ANL) entwickelt und soll Lehrkräfte bei der praktischen Umsetzung des neuen Lehrplanmoduls „Ökosystem Grünland“ in der 5. Jahrgangsstufe an Gymnasien unterstützen.

Erforschung von Wiesenquadraten, Foto: Birgit Weis
Erforschung von Wiesenquadraten, © Birgit Weis

Konkret werden im Projekt von Umweltbildnerinnen des LBV im Umfeld der Schulen geeignete Grünlandflächen aufgesucht und ein Programm für die Schulklassen-Exkursionen bzw. Nachbearbeitung im Unterricht zusammen mit den Lehrkräften entwickelt. Die Kinder lernen verschiedene krautige Pflanzenarten mithilfe einfacher Bestimmungsbücher kennen und sollen durch die direkte Naturbegegnung ein Gefühl für die Notwendigkeit entwickeln, Lebewesen und Lebensgemeinschaften zu schützen. Sie vergleichen auch verschiedene Bewirtschaftungsmethoden an einfachen Beispielen im Hinblick auf ökonomische und ökologische Aspekte, u. a. Biodiversität und nachhaltige Entwicklung. Mit diesem umfangreichen Bildungsangebot werden die Schüler/innen in ihrer Bewertungskompetenz geschult - auch im Bereich der Bildung für nachhaltige Entwicklung BNE. Die Gruppen- und Projektarbeit fördert die Sozialkompetenz und ein vorausschauendes Denken und Handeln.


Was verbirgt sich hinter dem Begriff „Grünland“?

Als Grünland werden Flächen bezeichnet, auf denen überwiegend Gräser und krautige Pflanzen wachsen. Sie werden in der Regel gemäht oder beweidet. Artenreiches Grünland steht somit gleich mit artenreichen Wiesen und Weiden. Sie beheimaten mehr als die Hälfte aller in Deutschland vorkommenden Tier- und Pflanzenarten und zählen zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Mit ehemals 4,8 Millionen Hektar machten Wiesen und Weiden etwa 20 Prozent der deutschen Landesfläche aus. Heute sind artenreiche Wiesen sehr selten geworden.

Teilnehmende Schulen im Landkreis

Im ersten Projektjahr beteiligten sich das Gabriel-von Seidl-Gymnasium in Bad Tölz und das Gymnasium Geretsried mit jeweils einer Lehrer- und einer Schülerexkursion an dem Projekt. Als Ergebnis haben die Lehrer nun eine Handreichung mit vielen praktischen Tips und möglichen Forscherflächen an der Hand. 2022 wird das Projekt fortgesetzt. Das Tölzer Gymnasium ist 2022 wieder dabei; außerdem wird im Landkreis das Rainer-Maria-Rilke-Gymnasium in Icking von der LBV-Umweltbildung unterstützt.

Birgit Weis:

Meine Erfahrungen aus dem Schuljahr 2021

Als Umweltbildnerin der Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen führte ich das Programm mit dem Gabriel-von-Seidl-Gymnasium Bad Tölz und mit dem Werdenfels Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen durch. Nicht ganz einfach war das Aufsuchen der Wiesen, die einerseits artenreich sein sollten und andererseits bevorzugt zu Fuß erreichbar. Wertvoll war die Vorexkursion mit den Lehrern, so konnte die Unterrichtseinheit gut abgestimmt werden.

 

Herausragend war für mich die Intensität, mit der die Kinder ihr Wiesenquadrat erforschten. Sie bekamen den Auftrag 1 x 1 m auszustecken und die verschiedenen Pflanzenarten zu unterscheiden und eine Art genau unter die Lupe zu nehmen. In Tölz durften wir auf der artenreichen Wiese innerhalb des Gebäudekomplexes der ‚Schnecke‘ arbeiten und wurden von Herrn Kaschek von der unteren Naturschutzbehörde begrüßt. Acht Blütenpflanzen entdeckten die Schüler und Schülerinnen durchschnittlich in ihren Quadraten, daneben auch Gräser und Moose. Ähnlich viele Arten wie auf einer intensiv bewirtschafteten Mähwiese, die wir ebenfalls inspiziert haben. Einziger wesentlicher Unterschied: Im artenreichen Grünland fanden wir in den verschiedenen Quadraten immer wieder andere Blütenpflanzen vor, im Intensivgrünland immer wieder die gleichen Arten.

Moschuskäfer, Foto: Birgit Weis
Moschuskäfer, © Birgit Weis

Für die Unterstützung bei der Suche nach geeigneten Flächen bedanke ich mich bei den Mitarbeitern der unteren Naturschutzbehörde, Herrn Joachim Kaschek (Bad Tölz) und Herrn Wolfgang Kraus (Garmisch-Partenkirchen), für die große Aufgeschlossenheit bei den Biologie-Lehrern und Herrn Sturm von der ANL für die fachliche Unterstützung.

 

Nächstes Jahr freue ich mich auf eine Fortsetzung des Projekts.