Biotoppflege

Ansprechpartner:
Sabine Tappertzhofen, sabine.tappertzhofen@lbv.de

 

Treffen: unregelmäßig
 

Zielsetzung:

Naturschutzfachlich sinnvolle Pflege der LBV Eigentums- und Pflegeflächen.

Derzeit hat der LBV mehr als 50 ha Land im Eigentum, etwa 5 ha pflegen wir selbst. Die großen Eigentumsflächen am Ochsensitz (nordöstlich des Kochelsees) werden von Landwirten gepflegt.

Aufkommende Gehölze etc. werden von uns bearbeitet.

 

Pflegemaßnahme im Winter 2017
Pflegemaßnahme im Winter 2017

Tätigkeiten:

  • regelmäßiger Begang der Flächen durch Flächenbeauftragten und Kurzbericht an die Geschäftsstelle
  • Praktische Arbeiten wie Mähen, Abrechen, Entbuschen, einfache Baumfällarbeiten
  • sinnvolle Eingliederung der Flächen in Förderkonzepte

Aktivitäten 2020

Landschaftspflege mit Moorschnucken - ein Versuch

Hintergrund

In den Spatenbräufilzen wurde bis in die 60er Jahre Torf abgebaut, der als Brennmaterial und zur Einstreu im Stall Verwendung fand. Voraussetzung für den Abbau ist immer eine Entwässerung. Entwässerter Torf trocknet aus und wird auf Grund der besseren Durchlüftung mikrobiell abgebaut. Um diesen Prozess aufzuhalten und das Moor als Lebensraum zu erhalten begannen 1994 Renaturierungsmaßnahmen, bei denen Entwässerungsgräben verschlossen werden. Diese Maßnahmen konnten noch nicht vollständig abgeschlossen werden. Teilweise liegt dies an den Eigentumsverhältnissen, teilweise aber auch am Geländeabfall zum Bach hin. Auf diesen Flächen kommen teilweise Gehölze auf, die die bedrohten Arten des Hochmoors und der Streuwiese verdrängen.

 

Der Versuch

Der Landesbund für Vogelschutz versucht hier durch extensive Beweidung Teilflächen offen zu halten. Extensiv bedeutet, dass nur so viele Tiere auf der Fläche gehalten werden, wie Nährstoffe vorhanden sind. Es darf nicht zugefüttert werden, damit kein Nährstoffeintrag erfolgt. Aufgrund der geringen Größe der Fläche und der Beschaffenheit des Bodens kommen keine Rinder zum Einsatz, sondern Schafe.

 

Die Tiere

Die meisten Schafrassen reagieren empfindlich auf feuchte Böden. Sie bekommen Klauenkrankheiten. Deshalb stehen hier sogenannte Moorschnucken (Weiße Hornlose Heidschnucke). Die ursprünglich norddeutsche Rasse ist klein, leicht und hat sehr harte Klauen, weshalb sie besser an Moorböden angepasst ist. Außerdem sind die Tiere sehr genügsam: Heidekraut und Kiefernnadeln genügen ihnen als Futter.

Moorschnucke, Foto: Sabine Tappertzhofen
Moorschnucke, © Sabine Tappertzhofen
Moorschnucken, Foto: Andrea Arends
Moorschnucken, © Andrea Arends

Bitte auf keinen Fall füttern!

Der Verdauungstrakt von Schafen ist an karges Raufutter angepasst. Plötzliche Zufuhr von reichhaltigem Futter kann zu schweren Erkrankungen führen. Auch Futter, das „die Schafe der Nachbarin doch immer fressen“ kann hier schädlich sein. Tiere wissen nicht zwangsläufig, was gut für sie ist!

Besonders abgeschnitten und als Futter gereicht werden auch Pflanzen und andere Nahrungsmittel aufgenommen, die zum Teil hoch giftig sind.

Nicht jedes Futter ist für jedes Tier giftig. Was ihr Pferd frisst, kann für das Schaf schädlich sein und umgekehrt.

Wir schauen täglich nach den Tieren. Wenn ihnen etwas fehlt, kümmern wir uns.

Aktivitäten seit 2015

Aktivitäten 2014

Zum Glück müssen wir nur einen kleinen Teil unserer Flächen selbst pflegen – 60 ha im Ehrenamt wären wohl kaum möglich.

 

Unsere größten Flächen liegen in den Loisach-Kochelseemooren am Rohrsee und Ochsensitz. Der Ochsensitz wird von zwei Landwirten in vorbildlicher Weise gepflegt.

 

Ein Großteil der Moorflächen im Königsdorfer Weidfilz, im Spatenbräu Filz und im Zellbachtal müssen renaturiert werden, bedürfen aber keiner jährlichen Pflege. Es bleiben aber neben gelegentlichen Holzarbeiten noch etliche Hektar zur Mahd. Einige dieser Flächen gehören uns nicht, sondern wurden uns von den Eigentümern zur naturschutzfachlich guten Pflege überlassen. Anfallende Kosten decken wir meist über das Vertragsnaturschutzprogramm. Viele Arbeiten werden aber ehrenamtlich erledigt.

 

Dieses Jahr war nun außergewöhnlich nass. Wir entschieden deshalb, nicht alle Flächen zu mähen (innerhalb von fünf Jahren, muss in drei Jahren gemäht und das Mähgut verwendet, also trocken werden). Unser großes Problem besteht darin, dass alle Flächen außer einer zum Schutz spät blühender Pflanzen erst nach dem 1.9. gemäht werden dürfen und auf sehr nassen Standorten liegen. Deshalb probierten wir heuer an zwei Standorten eine für uns neue, aber uralte Technik aus: Das Mähgut wurde nicht gewendet und geschwadert, um es zu trocknen, sondern auf Heinzen (gesprochen: Honzn oder Hoanzn; synonym: Heumanderl,…) gesetzt. Wird die Methode korrekt angewendet, so kann so aufgesetztes Heu trockenen, selbst wenn es zwischenzeitlich mal regnet. Bei geeigneter Wetterlage wird das Heu eingebracht.

Lotti Fischer, unsere „Heinzen-Lehrerin“ verzweifelte zwar fast an uns, weil das Aufsetzen der Honzen sorgfältig von unten nach oben erfolgen muss, in der Mitte ein „Kamin“ zur Belüftung bleiben muss, deshalb das Heu auch nicht den Boden berühren soll und oben eine gute Kappe aufliegen muss. Auf unserer ersten Testfläche war das Heu auch noch stark mit Schilf durchsetzt, also per se nicht wirklich gut tauglich. Es entstanden ziemlich rustikal wirkende Gestalten. Alle hatten viel Spaß dabei und wir waren erstaunt, wie viel Material auf so eine Honze passt. Von einer der drei Testflächen konnte das Material schon wenige Tage später trocken abgeholt werden. Die anderen beiden trockneten langsamer und unsere Gebilde mussten den starken Regenfällen und Sturm Mitte Oktober trotzen.

Heinze, Foto: Jonas Meyer
Heinze, © Jonas Meyer

Wir üben weiter: In nassen Lagen und feuchten Jahren, sind die Heinzen sicherlich eine Alternative. Außerdem haben sie den Vorteil, dass das Heu auch ohne Maschineneinsatz gesichert werden kann. Trotzdem sind sicherlich alle glücklich, wenn in Jahren wie dem letzten, als Anfang September ein stabiles Hoch für optimale Mahdbedingungen sorgte, Achim Rücker mit seinen Geräten zuverlässig die Ernte einfährt.

Aktivitäten 2013

Wir mähten einen Trockenhang in Königsdorf und vier Streuwiesen im Bereich
Egling, Königsdorf und im Zellbachtal. Durch Pacht konnte die Fläche im Zellbachtal vergrößert werden. Am Zellbach wurde auf unserer Eigentumsfläche Indisches Springkraut entfernt. Hier zeigte sich der Erfolg der vorjährigen Maßnahme: Der Springkrautbestand ist wesentlich kleiner geworden. Wahrscheinlich findet dort 2014 der letzte Einsatz statt. Dann hat sich die Fläche nach der Hiebmaßnahme 2012 stabilisiert. In den Wintermonaten stehen Entbuschungen im Zellbachtal an.

Aktivitäten 2012

Am 27.6. haben wir uns das erste Mal getroffen und die Tätigkeiten der Gruppe besprochen. Wir hielten fest, wer welche Geräte zur Verfügung hat und welche Tätigkeiten ausüben kann. Außerdem benannten wir einige Flächenbeauftragte, also Menschen die in der Nähe einer unserer Flächen leben oder häufig daran vorbeifahren und dabei regelmäßig diese Flächen begehen. Sie melden Veränderungen oder Handlungsbedarf an die Geschäftsstelle.

 

Bei einem späteren Termin trafen wir uns im Spatenbräufilz, besichtigten die Flächen und besprachen Maßnahmen und Fördermöglichkeiten. Das Spatenbräufilz bot sich an, weil hier Biotope mit sehr unterschiedlichen Pflegebedürfnissen eng beieinander liegen.

 

Zwei Arbeitseinsätze hatten wir Ende Juli. Im Zellbachtal waren für eine Moorrenaturierung und aus landschaftspflegerischen Gründen im Februar Fichten gefällt worden. Nach der Hiebmaßnahme räumten wir auf. Besonders direkt am Zellbach kam im Laufe des Sommers auf den nun besonnten Flächen das Indische Springkraut, ein Neophyt, auf. Wir rissen einen Großteil der Pflanzen aus, einige wurden mit der Sense geschnitten und so ein Großteil entfernt. Die Arbeit werden wir in den nächsten ca. zwei bis drei Jahren wiederholen müssen, solange bis sich die einheimische Vegetation soweit stabilisiert hat, dass kaum noch Springkraut aufkommt.

Weitere Treffen waren für die Zeit zwischen den Sommerferien und der Streuwiesenmahd geplant. Aufgrund der außergewöhnlich guten Wetterlage Anfang September hat Achim Rücker die Wiesen sofort alle gemäht, das Mähgut zu Ballen gepresst und die Arbeiten schnell beendet.

In nasskalten Herbsten ist dies ein nervenaufreibendes und arbeitsaufwändiges Unterfangen.

Dieses Jahr bot eine außergewöhnlich günstige Witterung. Fundorte des Lungenenzians, für den die Mahd zu früh gewesen wäre, wurden ausgespart.
 

Sabine Tappertzhofen

 

Weitere Informationen zu den von uns betreuten Flächen finden Sie unter der Rubrik "Pflegeflächen".