Bachmuschel

Ansprechpartner

Hans Buxbaum, Fachberater für Muschelschutz des LfU:   hgbuxbaum@gmail.com, Tel. 08171 / 20140

WISSEN - Die Bachmuschel hat‘s nicht leicht

Das Leben der Bachmuschel hängt von vielen Faktoren ab. Zum einen muss die Gewässergüte und die Gewässersohle geeignet sein. Zum anderen hat sie einen komplexen Lebenszyklus, beim dem mehrere Faktoren zusammenspielen müssen.

Quelle: Leitfaden für Bachmuschelschutz LfU
Quelle: Leitfaden für Bachmuschelschutz LfU

Die Bachmuschel ist getrennt geschlechtlich.

In der Fortpflanzungszeit produzieren die Weibchen in ihren Marsupien zahlreiche Eier.

Ihre Befruchtung erfolgt durch Spermien, die von männlichen Muscheln in das Bachwasser abgegeben werden. Sie werden von den Weibchen durch das Atemwasser aufgenommen. Aus den befruchteten Eiern entwickeln sich innerhalb einiger Wochen die Larven - sogenannte Glochidien.

 

Nach abgeschlossener Entwicklung werden diese mit einem Wasserstrahl durch die Atemöffnung des Weibchens ausgestoßen. Sie leben nur wenige Tage. In dieser Zeit müssen sie durch das Atemwasser eines Fisches aufgenommen werden. Es sind nur bestimmte Fische geeignet wie z. B. Elritze oder Aitel. Die Glochidien setzen sich dann in den Kiemen der Wirtsfische fest und entwickeln sich dort zur Jungmuschel.


Am Ende der Entwicklung fallen die Jungmuscheln vom Wirtsfisch ab und graben sich im Sediment ein. Dort wachsen sie in mehreren Jahren zur adulten Muschel heran. Das ist die empfindlichste Zeit in der Entwicklung der Muschel. Wichtig ist dabei, dass Kolmation z. B. durch Verschlammung ausbleibt. Dadurch würde die Durchströmung des Interstitials (Gewässersohle) und damit die Sauerstoffversorgung unterbrochen.

 

Auch wenn oberflächlich keine Muscheln im Bach sichtbar sind, können Jungmuscheln im Interstitial vorhanden sein. Das ist wichtig zu berücksichtigen, bei Tätigkeiten im oder am Bach.

 

Hans Buxbaum

LBV Engagement zur Erhaltung der Bachmuschel in Bayern

Am Lehrstuhl der TUM (Technische Universität München) für aquatische Systembiologie in Weihenstephan wurde 2009 die Koordinationsstelle für den Muschelschutz in Bayern eingerichtet. Deren Ziel ist es, die dramatisch zurückgegangen Bestände der Flußperl- und der Bachmuschel zu erhalten bzw. Wiederansiedelungen durchzuführen.

Bachmuschel, Foto: Susanne Hochwald
Bachmuschel, © Susanne Hochwald

Unser Landkreis beherbergt im Mooshamer Weiherbach noch einen der letzten gut erhaltenen Bestände der Bachmuschel in Bayern. Der LBV trägt durch seine ehrenamtliche Muschelbetreuung zum Schutz dieses Bestandes bei.


Seit Juli 2014 laufen im Bach Versuche zur Nachzucht von Bachmuscheln. Dabei ist die regelmäßige Kontrolle und Pflege der Versuchsanordnungen Aufgabe des LBV. Das Verfahren wurde bereits bei der Flußperlmuschel angewandt und wird jetzt auf seine Tauglichkeit für die Bachmuschel getestet.


Nach Beendigung der Versuchsreihe bleibt der Bach weiterhin in der Obhut des LBV. Dabei wird z. B. auf Veränderungen im Bach und auf die Bewirtschaftung des Mooshamer Weihers geachtet. Außerdem muß der Bisamfraß unter Kontrolle gehalten werden.

 

Ein Engagement des LBV unter dem Motto “Leben braucht Vielfalt”.

 

Hans Buxbaum

Hilfsaktion für die Bachmuschel in Schwaben

Die Situation der Bachmuscheln im Nebelbach (Donauzufluß) bei Oberglauheim war heuer dramatisch.

Grund war die extreme Trockenheit vor allem im Sommer.

Das Karstgestein der umliegenden Wälder liefert immer weniger Wasser.

Die Trockenperioden treten immer häufiger und in immer kürzeren Abständen auf. Der Bach mußte heuer während mehrerer Wochen über dafür angelegte Teichanlagen und einen Hydranten bewässert werden.

 

Letztendlich hat alles nicht gereicht und der Bach ist komplett ausgetrocknet.

Die Folge war ein gedeckter Tisch für den Bisam und die Wanderratten.

Ausgetrockneter Nebelbach, Foto: Hans Buxbaum
Ausgetrockneter Nebelbach, © Hans Buxbaum

Muschel-Rettungsaktion, Foto: Hans Buxbaum
Muschel-Rettungsaktion, © Hans Buxbaum

Um zu retten was noch zu retten war, wurde am 19.11.2015 eine Evakuierungsaktion der noch vorhanden Bachmuscheln durchgeführt.

 

Organisation und Leitung erfolgte durch den “Verein Donautal aktiv” mit Susanne Kling und der “Koordinationsstelle für den Muschelschutz in Bayern” mit Katharina Stöckl. Ich bin dem Hilferuf gefolgt und konnte mit weiteren 11 ehrenamtlichen Helfern 621 Bachmuscheln und 72 Teichmuscheln retten.


Das Gewässersystem des Nebelbaches war bis vor 10 Jahren noch ein bedeutendes Bachmuschel Vorkommen mit ca. 12.000 Muscheln. Mittlerweile ist die Population um 90 % zurückgegangen.

 

Hans Buxbaum

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