Hornissen

Ansprechpartner

Hans Buxbaum, Hornissenberater des Landratsamts

E-Mail: hgbuxbaum@gmail.com, Tel. 08171 / 20140

Hornisse, Foto: Andrea Arends
Hornisse, © Andrea Arends

Hornissen im Landkreis

Die Anzahl geeigneter Biotope für Hornissen nimmt kontinuierlich ab. Lebensräume und Nistmöglichkeiten werden rar. Die Tiere weichen daher in die Siedlungsräume des Menschen aus. Dort werden sie jedoch selten geliebt.

Es gibt aber Möglichkeiten sie vor der Vernichtung zu schützen. Nicht zuletzt handelt es sich um eine streng geschützte Art.

Informationen und Tipps zum Umgang mit der heimischen Hornisse „Vespa crabro“

  • Der Hornissenstaat ist einjährig – d. h. das ganze Volk stirbt im Herbst, bis auf die neuen Königinnen
  • Das alte Nest wird nicht mehr bezogen
  • Hornissen fressen Wespen, Fliegen, Mücken etc. - Tag und Nacht – ein Hornissenvolk verspeist an einem Tag ca. ½ kg an für den Menschen lästigen Insekten
  • Sie haben kein Interesse an menschlichen Speisen – kommen also nicht an den Kaffeetisch
  • Nicht nach ihnen schlagen – dadurch kann eine Verteidigungsaktion ausgelöst werden
  • Nicht anblasen – CO2 der Atemluft ist ein Alarmsignal, weitere Tiere können alarmiert werden
  • Fühlt sie sich bedroht, kann die Hornisse ihr Gift auch im Flug versprühen
  • Ruhig verhalten und langsam entfernen ist die beste Umgangsweise
  • Die Tiere sind kurzsichtig – deshalb fliegen sie nahe heran
  • Die heimische Hornisse „Vespa crabro“ ist nicht aggressiv
  • Nicht ständig am Nest oder im An-, Abflugbereich aufhalten
  • Duftstoffe von Kosmetika können den Alarmpheromonen der Insekten entsprechen und es kann zu einer Verteidigungsaktion kommen
  • Das Gift einer Honigbiene ist ca. um das vier-, bis zehnfache toxischer als das Hornissengift
  • Zur Stichbehandlung helfen am besten thermische Stichheiler wie z. B. „bite away“. Dabei wird durch kuzzeitige Hitzeeinwirkung das Gift zersetzt
  • Hornissen sind nachtaktiv und fliegen zum Licht – Fenster oder Türen die nachts geöffnet sind, mit Fliegengaze absichern
  • Der Herbstbeginn läutet die Absterbephase des Volkes ein – dann torkeln Hornissen am Boden herum oder fliegen unkoordiniert umher – häufig sind die Flügel zerschlissen oder es fehlt ein Fühler oder ein Bein – diese Kennzeichen bedeuten, dass das Lebensende bevorsteht
  • Der Ruf nach dem Kammerjäger hilft nicht – auch er darf sie nur in genehmigten Ausnahmefällen töten – ansonsten riskiert er seine Zulassung
  • Bei Rolladenkästen Bürstenleiste oder Profilgummidichtung an der Stoppleiste anbringen
  • Die Feuerwehr entfernt keine Nester
  • Aussagen wie „sieben Stiche töten ein Pferd und drei einen Menschen“ sind nicht seriös, ganz einfach falsch und schüren unnötige Ängste
  • Meldungen von Hornissenangriffen in anderen Ländern, z. B. Asien, sind nicht in unsere Gegend übertragbar. Es handelt sich um Arten die im Landkreis nicht vorkommen, andere Nistgewohnheiten, Verhaltensweisen und ein anderes Nahrungsspektrum haben

Bei nüchterner Betrachtung überwiegt die Nützlichkeit gegenüber der Gefährlichkeit. Die gewohnheitsmäßige, überlieferte Reaktion auf die Anwesenheit von Hornissen „die müssen weg“ ist überholt. Der sogenannte moderne Mensch sollte sich einen realistischen Blick für die Geschöpfe der Natur und einen pragmatischen Umgang mit ihnen erhalten.

Im Folgenden wird die Rettung eines Hornissennestes beschrieben.

Hornissen am Haus

Anfang September 2016 fand die Umsiedelung eines Hornissennestes statt. Das Nest befand sich an einem mit Holz verkleideten Balkon im 1. Stock. Die Arbeiten wurden unter der fachkundigen Leitung von Karl Kröh durchgeführt. Er ist langjähriger Hornissenberater im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Für mich war es die Premiere, nachdem ich mich beim LRA als weiterer Hornissenberater zur Verfügung gestellt hatte.

 

Die Aktion verlief problemlos und die Hornissen erhielten nahe des ZUK in Benediktbeuern ein neues Zuhause. An dem Standort befand sich früher schon ein Hornissenkasten.

 

Es war verblüffend zu erleben, dass Hornissen bei ruhigem Verhalten in keiner Weise aggressiv sind. Bei der Aktion fand nicht ein einziger “Angriff” statt. Ich kann daher nur vor den landläufigen Schauergeschichten über die Tiere warnen.

Was sie nicht mögen sind Erschütterungen am Nest, wildes Herumfuchteln oder Anblasen (CO2 in der Atemluft), wenn sie sich in der Nähe befinden. Dann werden sie gereizt und verspritzen sogar ihr Gift im Flug, was zu gefährlichen Augenverletzungen führen kann.

Ablauf der Umsiedelung

(Erklärende Bildunterschriften erscheinen beim Vergrößern der Fotos)

Eine weitere

Spektakuläre Hornissen-Umsiedelung

erfolgte in Kochel im Rahmen der Modernisierung des Speicherkraftwerks Walchensee.

Mittwoch 18.09.2019

  • Ein Anruf der Geschäftsleitung Fa. Uniper aus Landshut (Betreiber des Kraftwerks) geht bei Hans Buxbaum ein.

Im Kraftwerk Walchensee wird die 110 kV Hochspannungs-Freiluftschaltanlage der Deutschen Bahn erneuert. Von der Deutschen Bahn liegt eine Abschaltgenehmigung für Montag den 23.09.2019 vor. Anschließend wird mit den Bauarbeiten begonnen.

Der Sicherheitsingenieur hat in einem auf dem Gelände stehenden Schalt- und Steuerkasten, der demontiert werden muss, ein Hornissennest festgestellt. Demontage also nicht möglich. Die angesetzten Termine können nicht verschoben werden – das Nest soll umgesiedelt werden.

 

  • Hans bittet Fa. Uniper um Fotos, um sich ein Bild zu machen und die Lage einschätzen zu können.
Hochspannungs-Freiluftschaltanlage, Foto: Hans Buxbaum
Hochspannungs-Freiluftschaltanlage, © Hans Buxbaum
Sockel mit Schaltschrank zur Demontage und Eingang zum Hornissennest, Foto Fa. Uniper
Sockel mit Schaltschrank zur Demontage und Eingang zum Hornissennest, © Fa. Uniper

  • Hans beantragt die Artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung beim LRA, fordert bei der Fa. Uniper eine Haftungs-Ausschlusserklärung an und verständigt seinen Kollegen Karl aus Tölz.  Es wird mit allen Beteiligten ein Treffen für den nächsten Tag vereinbart.

Donnerstag 19.09.2019

  • Ortsbesichtigung um 10:00 Uhr im Kraftwerk

Es stellt sich heraus, dass das Nest nicht im Schaltschrank sondern im Betonsockel ist.

Die elektr. Leitungen gehen von unten in den Schrank – die Verbindung Schrank / Betonsockel ist abgedichtet.

Allgemeine Ratlosigkeit – was tun – wie an das Nest kommen? Arbeiten innerhalb der in Betrieb befindlichen 110 kV Anlage sind ausgeschlossen.

Fa. Uniper bemüht sich um eine Genehmigung die Anlage früher abschalten zu können, damit der Baubeginn Montag 23.09.2019 gehalten werden kann. Die Genehmigung trifft am Abend ein.

Karl und Hans vereinbaren mit Fa. Uniper die Umsiedelung für den nächsten Tag.

Fa. Uniper organisiert dafür einen Bagger zur Demontage des Schaltschranks und des Betonsockels.

Freitag 20.09.2019

  • Hornissen Umsiedelung

Die Freischaltung der Anlage erfolgt als erstes. Anschließend wird die Spannungsfreiheit geprüft.

Die Sicherheit ist hergestellt - mit dem Einfangen der an- und abfliegenden Hornissen kann begonnen werden.

Alle Flugtiere eingefangen - der Schaltschrank wird mit dem Bagger vom Sockel gehoben. Der Zugang zum Nest ist jetzt frei.

 

Der Betonsockel wird mit dem Bagger aus der Erde gezogen. Hans und Karl können das Nest entnehmen und in den Umsiedelungskasten einsetzen.


Die Deutsche Bahn und Fa. Uniper können wie geplant die Modernisierung am Montag beginnen.

 

Den Rest ihres Lebens verbringt das Hornissenvolk nun auf dem Gelände des ZUK in Benediktbeuern.

 

Eigentlich ist es kein Wunder, dass sich hier Hornissen angesiedelt haben. Der Betreiber Fa. Uniper hat auf dem Gelände mehrere Blühflächen angelegt, auf denen die Hornissen für sich Nahrung und für den Nachwuchs Beuteinsekten finden. Lediglich der Neststandort war etwas extravagant.

 

Text und alle Fotos: Hans Buxbaum

Weitere Informationen finden Sie unter