Ebenbergfilz

Luftbild Ebenbergfilz, Foto: Kopka
Luftbild Ebenbergfilz, © Kopka

2019/2020 konnte der LBV das Ebenbergfilz bei Dietramszell zum Zwecke der Renaturierung erwerben.

Im November 2020 fand dazu eine Begehung mit Vertretern der Behörden statt.

 

Ein Bericht von Regina Mannhart (Praktikantin beim LBV):

LBV will Ebenbergfilz wiedervernässen und 14,7 Hektar Moor durch Renaturierungsmaßnahmen erhalten

Am 10.11.2020 folgten Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen (AELF), des Landratsamtes Bad Tölz-Wolfratshausen und der Dietramszeller Bürgermeister Josef Hauser einer Einladung des Landesbunds für Vogelschutz (LBV) zur Begehung eines ganz besonderen Ökosystems.

 

Nach der Begrüßung durch den LBV-Vorsitzenden Walter Wintersberger, führte die Gebietsbetreuerin Birgit Weis die Anwesenden durch einen schmalen Waldgürtel. Was sich dahinter verbirgt, ist vom Treffpunkt aus nämlich nicht zu sehen: auf einer 21 Hektar großen Fläche erstreckt sich das Hochmoor „Ebenbergfilz“.

 

Ein Teil davon, 14,7 Hektar, befindet sich seit der amtlichen Grundbucheintragung im Mai 2020 im Besitz des Landesbunds für Vogelschutz. Es handelt sich um den flächenmäßig größten Ankauf der LBV-Kreisgruppe Bad Tölz-Wolfratshausen seit 40 Jahren. Der Grundstückskauf wurde durch das Bayerische Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz gefördert.

 

Hochmoore, wie das Ebenbergfilz, erfüllen vielfältige Funktionen, unter anderem dienen sie dem Hochwasser-, dem Klima- und dem Artenschutz. Anhand der Torfmoose, die charakteristisch für Moore sind, demonstrierten Birgit Weis und Elisabeth Pleyl, Fachkraft für Moorrenaturierung am Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen, ihre schwammähnliche Wirkung: „Bei Niederschlag können Torfmoose das 20 bis 30-fache ihres Eigengewichts aufnehmen und halten auf diese Weise entsprechende Wassermengen zurück.“ Intakte Moore seien zudem große Kohlenstoffsenken und können kontinuierlich und dauerhaft CO2 aufnehmen und speichern. Wegen des nassen und sauren Milieus, das im Hochmoor herrscht, können sich die meisten Baumarten dort nicht etablieren. Das spiegelt sich in der typisch offenen Hochmoorfläche wider. Arten, wie z.B. der Hochmoor-Perlmuttfalter, der 2006 in diesem Gebiet nachgewiesen wurde, sind auf diesen Typ Lebensraum angewiesen. Er legt seine Eier auf die Blattunterseite der Moosbeere, die den geschlüpften Raupen später als Fraßpflanze dient. Sobald sich der Falter entwickelt hat, benötigt er nahegelegene, blütenreiche Wiesen mit ausreichend Nektarpflanzen als Nahrung. Der Hochmoor-Perlmuttfalter ist nur ein Beispiel dafür, wie wertvoll und schützenswert Hochmoore wie dieses mit angrenzenden blütenreichen Streuwiesen sind.

 

Ein Luftbild von 1999 zeigt jedoch, dass sich der Zustand des Ebenbergfilzes im Laufe der vergangenen Jahre verschlechtert hat. „Das Hochmoor war damals viel offener und wächst von außen her immer weiter zu“, erklärt Weis. Das hat auch negative Auswirkungen auf die vielfältigen Funktionen des Moores. Verantwortlich für diese Entwicklung sind die zahlreichen schmalen, aber tiefen Entwässerungsgräben, die parallel zueinander über die Fläche angelegt wurden. Ungewöhnlich ist, dass im Ebenbergfilz Kunststoffdrainagen zur Entwässerung verlegt wurden. Herr Andreas Kopka, der die Fläche im Auftrag einer Erbengemeinschaft an den LBV verkauft hat, liefert für diese massive Art der Trockenlegung eine mögliche Erklärung: Die Fläche sei ursprünglich zu Spekulationszwecken gekauft worden, vermutlich zum großflächigen Abbau von Torf. Da der Torfabbau in den meisten Mooren durch das Bundesnaturschutzgesetz mittlerweile verboten ist, wurde die Fläche zunehmend sich selbst überlassen.

Birgit Weis erklärt den Anwesenden die notwendigen Maßnahmen zur Renaturierung des Ebenbergfilzes, V.l.n.r.: Elisabeth Pleyl, Erich Hofmann (LBV), Peter Melf (AELF), Birgit Weis, Bürgermeister Josef Hauser, Foto: LBV
Birgit Weis erklärt den Anwesenden die notwendigen Maßnahmen zur Renaturierung des Ebenbergfilzes, V.l.n.r.: Elisabeth Pleyl, Erich Hofmann (LBV), Peter Melf (AELF), Birgit Weis, Bürgermeister Josef Hauser, © LBV

Ziel des LBV ist es nun, das Ebenbergfilz durch Wiedervernässung zu erhalten und soweit wie möglich wiederherzustellen. Dafür werden die verschlämmten Bereiche aller Entwässerungsgräben ausgehoben und anschließend mithilfe eines speziellen Moorbaggers mit mehreren Meter breiten Dämmen aus Torf abschnittsweise verschlossen. Diese „Pfropfen“ sollen dafür sorgen, dass das Regenwasser nicht mehr aus dem Hochmoor ausgeleitet, sondern zurückgehalten wird. An die Gräben angrenzende Bäume, deren Wurzeln wie Drainagen wirken, müssen im direkten Umfeld entnommen werden.

Versteckte Gräben im Hochmoor: Elisabeth Pleyl und Birgit Weis machen auf einen zugewachsenen Entwässerungsgraben aufmerksam. V.l.n.r.: Walter Wintersberger, Andreas Kopka, Elisabeth Pleyl, Birgit Weis, Peter Melf (AELF), Foto:  LBV
Versteckte Gräben im Hochmoor: Elisabeth Pleyl und Birgit Weis machen auf einen zugewachsenen Entwässerungsgraben aufmerksam. V.l.n.r.: Walter Wintersberger, Andreas Kopka, Elisabeth Pleyl, Birgit Weis, Peter Melf (AELF), © LBV

Wann Maßnahmenbeginn sein wird, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht endgültig fest. Bevor mit der Renaturierung begonnen werden kann, muss ein konkreter Maßnahmenplan erarbeitet, Behördengenehmigungen eingeholt und die Anrainer informiert werden.

 

Eines steht jedoch schon fest: Laut Bürgermeister Hauser ist die Gemeinde Dietramszell bei der Renaturierung ihres rund 7 Hektar großen Grundstücks, das im Süden anschließt, dabei.