Ochsensitz & Rohrsee

Ochsensitz, Foto: Jonas Meyer
Ochsensitz, © Jonas Meyer

Ochsensitz und Rohrsee in den Loisach-Kochelsee-Mooren (LKM) sind Teil eines der bedeutendsten Wiesenbrütergebiete in Bayern. Das Gebiet wurde seit Jahrhunderten von den Klöstern Schlehdorf und Benediktbeuern und den ansässigen Bauern als Weide, Mähwiese und Streuwiese genutzt. Der Ochsensitz lag bis zur Tieferlegung der Loisach in den 1920er Jahren im Randbereich des Überflutungsbereichs der Loisach und des Rohrsees und wurde als Streuwiese bis ungefähr in den 1950er Jahren vom Kloster Benediktbeuern genutzt. Danach fiel er brach und verbuschte von Süden her, weil hier die entwässernde Wirkung des angrenzenden Grabens und der Drainagen auf dem benachbarten Grundstück sehr groß ist. Er grenzt an konventionell genutztes Grünland, einschürige Streuwiesen und brachligende Landschilfbestände.


1979 wurde das Grundstück vom Landesbund für Vogelschutz erworben und in Folge die Mahd wo möglich wieder von zwei ortsansässigen Landwirten aufgenommen (jährlich ab 1.9.).

 

2007 und 2008 kartierte der Ornithologe Ingo Weis das Gebiet und wies darauf hin, dass die große Hecke an der südwestlichen Grundstücksgrenze eine unüberwindliche Barriere zum Beispiel für den Großen Brachvogel darstellt. Auch die weiteren Gehölze sind für Wiesenbrüter hinderlich. Die Hecke wurde daraufhin 2009 und 2010 entfernt.


2014 wurde ein Flächenpflegeplan mit Kartierung des gesamten Grundstücks in Auftrag gegeben. Untersucht wurden Vögel (Ingo Weis), Tagfalter, Heuschrecken und Libellen (Markus Bräu) und Pflanzen (Burkhard Quinger). Die Untersuchungsergebnisse lassen sich dahingehend zusammenfassen, dass die Gehölze an und für sich keinen nennenswerten naturschutzfachlichen Mehrwert darstellen. Nur die südöstlichen Randstrukturen bilden geschützte Lebensräume für Insekten (z.B. Buntbäuchiger Grashüpfer und die Bodenwanze Peritrechus angusticollis) und sollten nicht schlagartig alle entfernt werden. Für Wiesenbrüter wie den Großen Brachvogel, den Wiesenpieper und das Braunkehlchen hingegen ist der Einzugsbereich der Gehölze (12 ha) unbrauchbar, wie an der Verteilung der Wiesenpieperbruten (RLB vom Aussterben bedroht, ungünstiger/unzureichender Erhaltungszustand) deutlich wird.

 

Anfang 2017 wurde ein Teil des großen Gehölzbestandes vom Wasserwirtschaftsamt gefällt. Das Grundstück war früher von Norden her erreichbar. Dieser Weg ist aber nicht mehr vorhanden und das Gelände zu nass für eine Befahrung mit Fahrzeugen. Der Bau eines neuen Weges über diese Route verbietet sich aus naturschutzfachlicher Sicht. Das Grundstück ist gut von Süden aus erreichbar. Für diesen privaten Weg hat der LBV allerdings kein Fahrtrecht. Die Eigentümer untersagten eine Nutzung zum Holztransport. Deshalb flößerte das WWA das Holz auf der Loisach bis nach Brunnenbach. Dünne Stämme, Wipfel und Äste blieben liegen.

 

Anfang 2018 entbuschte die Kreisgruppe mit freiwilligen Helfern einen weiteren Teil und stapelte das Holz im Restgehölz auf. Auf dieser Fläche konnte im Spätsommer ein ortsansässiger Landwirt mit Spezialmaschinen die Stöcke auf einem Teil der Fläche fräsen und diese Teilfläche mulchen.

 

Im Herbst 2018 wurden nun von der restlichen ehemals baumbestandenen Fläche kleinere Stämme, Wipfel und Äste entfernt und auf zwei großen Haufen zum Verrotten aufgesetzt und höhere Stöcke zurück geschnitten. Diese sollen nun verrotten. Bevor eine erneute Verbuschung erstarkt wird auch diese Fläche gemulcht. Ziel ist, die Flächen wieder mähen zu können.

 

Es verbleiben immer noch viele Gehölze, die in den nächsten Jahren entfernt werden müssen, um Wiesenpieper, Braunkehlchen und Brachvogel einen Lebensraum zu geben.

 

Blick vom Ochsensitz auf Herzogstand und Heimgarten, Foto: Jonas Meyer
Blick vom Ochsensitz auf Herzogstand und Heimgarten, © Jonas Meyer