Zellbachtal

Mehlprimel, Märzenbecher, Sonnentau und Spirke – die ganze Vielfalt eines bachnahen Moores im Zellbachtal bei Bairawies

Das Naturschutzgebiet Zellbachtal ist das jüngste NSG in unserem Landkreis. Es wurde erst Ende 2002 unter Schutz gestellt, nachdem in den 80er Jahren Planungen für eine Kreismülldeponie in dem Gebiet bekannt geworden waren. Eine Bürgerinitiative konnte die Deponie verhindern und die Unterschutzstellung des Zellbachtals erreichen.

 

Das NSG Zellbachtal erstreckt sich auf einer Fläche von 130 ha nördlich und südlich des Zellbachs östlich von Bairawies in der Gemeinde Dietramszell.

 

Die Bereiche nördlich des Bachs und im Südosten des Gebietes werden von artenreichen Streuwiesen geprägt. Schlüsselblume, Mehlprimel, Stängelloser Enzian und Sumpfgladiole gedeihen hier. Am Bach blühen im Frühling tausende Märzenbecher; im Mai fallen die dicken gelben Blüten der Trollblume auf.
  

Zahleiche Schmetterlinge finden sich auf den Wiesen, so das Blaukernauge (Minois dryas), der Mädesüß-Perlmutterfalter (Brenthis ino) und der Goldene Scheckenfalter (Euphydryas aurinia).

Südlich des reich mäandrierenden Zellbachs befindet sich ein Moorwald. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich hier ein mehr oder weniger offenes Hochmoor, das von den Anwohnern unter anderem durch "Moospicken" (Mähen der Kleinsträucher wie Heidelbeere und Rauschbeere als Einstreu im Stall) genutzt wurde. Bis Mitte der Dreißiger Jahre lebte dort auch Birkwild. In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Entwässerungsgräben gezogen und Wald kam auf den vorentwässerten Flächen auf bzw. Fichten wurden gepflanzt. Die ursprünglichen Bewohner wurden so verdrängt.

Moorwald, Foto: Jonas Meyer
Moorwald, © Jonas Meyer

Südlich des reich mäandrierenden Zellbachs befindet sich ein Moorwald. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich hier ein mehr oder weniger offenes Hochmoor, das von den Anwohnern unter anderem durch "Moospicken" (Mähen der Kleinsträucher wie Heidelbeere und Rauschbeere als Einstreu im Stall) genutzt wurde. Bis Mitte der Dreißiger Jahre lebte dort auch Birkwild. In den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden Entwässerungsgräben gezogen und Wald kam auf den vorentwässerten Flächen auf bzw. Fichten wurden gepflanzt. Die ursprünglichen Bewohner wurden so verdrängt.


An wenigen Stellen im Gebiet treten auch Quellen aus. Diese sollen wieder freigestellt werden, damit sie und die umgebenden Quellmoorbereiche Arten wie Quelljungfern und der Hainsimsenlilie Raum bieten.

Flächenankäufe

Vor allem durch Grundstückskäufe möchte der LBV seit einigen Jahren Flächen sichern, die dann zum Teil wiedervernässt werden können. So soll der Lebensraum für Hochmoorarten wie dem Sonnentau und der Rosmarinheide wieder größer werden.

 

Durch die Wiedervernässung von Moorflächen werden Treibhausgase wie CO2 in erheblichem Maß gebunden. Deshalb wird der Ankauf überwiegend über Fördermittel aus dem Bayerischen Klimapaket 2020 finanziert.

Wiese im Zellbachtal, Foto: Birgit Weis
Wiese im Zellbachtal, © Birgit Weis

Die erste Fläche wurde 2004 erworben. Es handelt sich um eine Wiese in Form eines Dreiecks an der Straße Bairawies – Dietramszell.
Nach dem Ankauf wurden die Drainagen entfernt und die Düngung eingestellt. Die Wiese wird jährlich einmal nach dem 1. September von einem Landwirt gemäht.

Aus dem Moor austretendes Wasser gefriert am Grabenrand zu Eiszapfen, Foto: Sabine Tappertzhofen
Aus dem Moor austretendes Wasser gefriert am Grabenrand zu Eiszapfen, © Sabine Tappertzhofen

2010 konnte eine Waldfläche gekauft werden. Bei einer großen Hiebmaßnahme wurden nicht standortgerechte Fichten überwiegend entfernt.

In den nächsten Jahren soll hier ein großer Graben verschlossen und so die Fläche wiedervernässt werden.

Moorwald, Foto: Jonas Meyer
Moorwald, © Jonas Meyer

2016 nun konnten wir drei weitere Flächen im Moor und am Bach mit insgesamt fast 8 ha ankaufen und damit für die Natur sichern. Dieser Kauf wird, wie der 2010 erfolgte, mit Mitteln aus dem Bayerischen Klimapaket 2020 gefördert.

Jedoch benötigen wir für den Eigenanteil und Folgekosten noch Spenden.

Streuwiese im Zellbachtal, Foto: Sabine Tappertzhofen
Streuwiese im Zellbachtal, © Sabine Tappertzhofen

Außer den Eigentumsflächen wird von unserem ehrenamtlichen Biotoppflegeteam noch eine Streuwiese neben der LBV-Wiese ("Dreiecksfläche") gemäht, die sich auf zwei Grundstücken von Privateigentümern befindet.


 

Auf zwei weiteren Grundstücken, die im Eigentum des Isartalvereins sind, wird aktuell von unserem Biotoppflegeteam entbuscht. Ehemals wertvolle Streuwiesen sind mit Fichten und Büschen zugewuchert. Diese Gehölze werden überwiegend entfernt. Wertvolle Einzelbäume bleiben stehen, ebenso wie die natürliche Moorwaldsukzession am Waldrand. Ein Teil der Flächen soll ab 2017 wieder jährlich gemäht werden, der Rest wird der natürlichen Entwicklung überlassen. So wird gewährleistet, dass eine möglichst große Artenvielfalt erhalten bleibt.

Weitere Informationen über das Kleinod Zellbachtal finden Sie in folgenden Artikeln

  • Grußwort, 1. Bürgermeister Hans Demmel
  • Das Zellbachtal - Herzstück des Dietramszeller Winkels, Dr. K. Schröder
  • Das Zellbachtal bei Dietramszell - ein naturkundliches Kleinod, Dr. U. Gruber
  • Die Vogelwelt entlang des Zellbaches, Erich Hofmann
  • Erstes LBV-Projekt im Zellbachtal, Birgit Reif
  • Weiherglück, Sigrid Heuck

in einem Auszug aus unserer Zeitschrift "Eisvogel", Ausgabe 2006

Fotoshow: Pflanzen im Zellbachtal