Wiesenbrüter

Wiesenbrüter-Berater für die Loisach-Kochelsee-Moore

Braunkehlchen im Loisach-Kochelsee-Moor, Foto: Bettina Kelm
Braunkehlchen im Loisach-Kochelsee-Moor, © Bettina Kelm

Wiesenbrüter sind - wie der Name sagt - Vögel, die auf Wiesen brüten. Sie bauen am Boden ein Nest, legen dort ihre Eier hinein und brüten. Nach dem Schlüpfen können die Jungen meist schon nach wenigen Stunden laufen. Je nach Art brauchen sie mehr oder weniger offenen Boden und höhere oder niedere Vegetation ohne Bäume, in der sie sich verstecken können. Manche, wie das Braunkehlchen, lieben Ansitzwarten, um von dort aus ihr Revier im Auge zu behalten. Alle sind mehr oder weniger unscheinbar gefärbt – Tarnung ist ihre beste Verteidigung. Besonders wenn sie in großer Zahl vorkommen, fliegen die Altvögel auch Verteidigungsflüge und können einen Angreifer vergraulen. Natürliche Feinde sind vor allem Füchse und Marderartige, aber auch manche Greifvögel.

 

Von Natur aus kommen Wiesenbrüter in Regionen vor, die aufgrund von extremer Hitze, Kälte, Nässe oder Trockenheit baumfrei sind. Sie lieben offenes Land, wo sie ihre Feinde von weitem sehen können. In unserer Naturlandschaft waren diese offenen Landschaften mit kleinen Strukturen früher häufig. Wiesen und besonders Weiden und Feuchtgebiete waren ideale Brutgebiete. Wiesenbrüter waren eine Selbstverständlichkeit.

 

Mit der Intensivierung der Landwirtschaft wurden viele Feuchtgebiete trockengelegt. Das verändert die Verfügbarkeit von Nahrung und gibt Bodenfeinden wie dem Fuchs gute Vermehrungsmöglichkeiten. Durch die immer frühere und häufigere Mahd werden die Nester und Jungvögel ausgemäht. Ihnen ergeht es ähnlich wie Rehkitzen, die im hohen Gras liegen und von Mähmaschinen erfasst werden. Durch die Düngung ist die Vegetation oft zu dicht. Strukturen gehen bei der großflächigen maschinellen Bewirtschaftung verloren.

Heute sind Wiesenbrüter zusammen mit den Ackervögeln daher die bedrohteste Artengruppe unter den Vögeln.

Alarmierender Rückgang bei den Braunkehlchen in den Loisach-Kochelsee-Mooren

So mancher Landwirt in den Loisach-Kochelsee-Mooren weiß nicht, dass auf seiner Wiese seltene Braunkehlchen vorkommen. Brütet der vom Aussterben bedrohte Wiesenbrüter dort, sind die Nester durch eine Mahd akut gefährdet. Das wollen LBV Mitglieder und ehrenamtliche Wiesenbrüterberater Axel und Bettina Kelm mit dem Start einer Braunkehlchen-Initiative in dem Vogelschutzgebiet am Kochelsee ändern.

 

Ein Artikel von Bettina Kelm über den Rückgang der Braunkehlchen

Verstärkung gesucht! - Mitmachen und aktiv zum Schutz beitragen beim Braunkehlchen Nest-Monitoring

Voraussetzung:   Begeisterung für die Vogelbeobachtung ;

Technik:                gutes Fernglas, idealerweise Spektiv (ein Leihspektiv steht zur Verfügung);
Kernzeit:               Sie haben ab Mitte Mai bis Mitte Juli mindestens 2 x pro Woche Zeit (reine Beobachtungszeit erfahrungsgemäß 1-2 Std. nötig).

                               Wir beobachten von der Brutplatzsuche bis zum Ausflug der Jungvögel.

Beste Tageszeit: frühmorgens sowie am späten Nachmittag/ frühen Abend
Aufgabe/Ziele:    Nach Einweisung Neststandort finden, gemeinsam mit den Wiesenbrüterberatern

                               Umsetzung, Schutzmaßnahmen, Bruterfolg festhalten.
Vorkenntnisse zu Braunkehlchen: nicht erforderlich. Erfahrung in der Vogelbeobachtung und Umgang mit Bayernatlas sind von Vorteil.
Heimvorteil –      Sie wohnen in der Nähe der Losiach-Kochelsee-Moore etwa im Umkreis von Kochel, Schlehdorf, Großweil, Sindelsdorf,
Benediktbeuern, Bichl? Perfekt!
Interessiert?        Im Frühjahr 2021 findet eine ausführliche Einführung in den Braunkehlchen-Schutz und Vorstellung der Teilgebiete statt
                               (Termin wird bekannt gegeben).
Kontakt:               Wiesenbrüterberaterin Bettina Kelm freut sich über Ihre Nachricht unter bettinakelm-wiesenbrueterschutz-lkm@web.de
                              oder per SMS an 0 179/ 49 34 282 Stichwort: Braunkehlchen LKM

Die Wiesenbrüterkartierung von Ingo Weiß, die der Diplom-Biologe im Jahr 2020 in den Loisach-Kochelsee-Mooren durchgeführt hat, gibt einen guten Überblick über die in einem der bedeutendsten Wiesenbrütergebiete vorkommenden Arten und deren Gefährdung.

 

Ein Artikel von Ingo Weiß

Die Loisach- Kochelsee- Moore sind mit 40km² das flächenmäßig größte Moorgebiet Südbayerns und eines der bedeutsamsten Wiesenbrütergebiete in Bayern. Da die meisten Wiesenbrüterarten starke Bestandsrückgänge aufweisen, wurde 2020 im Auftrag der Regierung von Oberbayern eine flächendeckende Kartierung der Wiesenbrüter durchgeführt.
Folgende Arten kommen in den Loisach-Kochelsee-Mooren vor:

 

Der Wachtelkönig hat 2017 das letzte Mal in den Loisach-Kochelsee-Mooren gebrütet, 2015 waren noch mindestens zwölf Reviere besetzt. Das Aussterben dürfte auf mehreren Ursachen fußen, insbesondere der Intensivierung der Grünlandwirtschaft, erhöhter Prädation, dem nomadischen Ansiedlungsverhalten der Art, aber auch durch nicht auf die artspezifischen Bedürfnisse abgestimmte Landschaftspflege.

Wachtelkönig, Foto:  Dr. Christoph Moning, LBV-Bildarchiv
Wachtelkönig, © Dr. Christoph Moning, LBV-Bildarchiv

Kiebitz, Foto: Andrea Arends
Kiebitz, © Andrea Arends

 

Der Kiebitz war 2020 mit 3-5 Revieren vertreten, drei Paare schritten zur Brut, 1-2 Jungvögel wurden flügge. Der kleine Bestand schwankt auf niedrigem Niveau und die Art läuft Gefahr aus den Loisach-Kochelsee- Mooren zu verschwinden. Hier sind Fördermaßnahmen notwendig, v.a. durch die Verbesserung der hydrologischen Lage in potentiellen Brutgebieten, ergänzt durch Anlage von Seigen.

 

(Seige = Bodenvertiefung, in der sich zeitweise Regenwasser sammelt)


 

Beim Großen Brachvogel verbleibt die Population auf niedrigem Niveau und weiterhin leichten Rückgängen. 2020 waren noch sieben Brutpaare im Gebiet, es wurde aber nur ein Jungvogel flügge, was in Zukunft weitere Rückgänge erwarten lässt. 1983 waren noch 18 Reviere besetzt, 1993 elf und 2015 acht Reviere. Zur Stützung des Bestandes sind Lebensraumverbesserungen, v. a. hydrologischer Art, Gehölzentnahmen und ein intensives Management zur Sicherung des Bruterfolges gegen Verluste durch Prädation und Landwirtschaft notwendig.

Großer Brachvogel, Foto: Bettina Kelm
Großer Brachvogel, © Bettina Kelm

Bekassine, Foto: Andreas Hartl, LBV-Bildarchiv
Bekassine, © Andreas Hartl, LBV-Bildarchiv

 

Der Bestand der Bekassine ist nach dem trockenen Frühjahr 2020 auf sechs Reviere zurückgegangen und hat sich von 13 Revieren (auf 46%) seit 2015 mehr als halbiert.

Das Rohrseegebiet östlich der Loisach wurde komplett geräumt. Lebensraumverbessernde Maßnahmen durch eine Abstimmung der Landschaftspflege auf artspezifische Habitaterfordernisse wie eine mosaikartige Mahd im Rohrseegebiet und Wiedervernässungen sind zur Bestandsstützung erforderlich.


 

Beim Braunkehlchen ist ein massiver Bestandseinbruch im bayernweit bedeutendsten Brutgebiet der Art zu verzeichnen. Der Gesamtbestand ging seit 2007/08 um -46% auf 79-85 Reviere zurück, seit 2015 beträgt der Verlust 20%. Dabei macht sich der Rückgang sowohl durch die Räumung von Randbereichen, als auch durch drastische Dichtereduktion in den Kernzonen bemerkbar. Die Ursachen sind vielschichtig und müssen insbesondere durch eine Ausrichtung der Landschaftspflege auf artspezifische Bedürfnisse, insbesondere eine Erhöhung des Bracheanteils, Extensivierung von Grünland und Grabenpflege, Gehölzentnahmen und Betreuung von Brutpaaren im Wirtschaftsgrünland korrigiert werden.

Braunkehlchen, Foto: Frank Derer, LBV-Bildarchiv
Braunkehlchen, © Frank Derer, LBV-Bildarchiv

Wiesenpieper, © Rosl Roessner, LBV-Bildarchiv
Wiesenpieper, © Rosl Roessner, LBV-Bildarchiv

 

Beim Wiesenpieper war 2020 ein moderater Rückgang des Gesamtbestandes auf 68-71 Reviere zu verzeichnen. Es gab allerdings signifikante Rückgänge in den Mahdflächen der Kerngebiete am Alten Sindelsbach und im westlichen Rohrseegebiet. Ursächlich hierfür dürften neben der Frühjahrstrockenheit 2020 auch zu geringe Bracheanteile sein, wodurch Extremwetterlagen nicht mehr abgefedert werden können. Notwendige Maßnahmen sind daher eine Erhöhung des Bracheanteils in den Streuwiesen, Vernässungen und Seigenanlagen sowie Gehölzentnahmen.


Weitere naturschutzfachlich hoch bedeutende Brutvogelarten in den Loisach-Kochelsee-Mooren sind neben vielen anderen insbesondere die Schilfbrüter des Rohrseegebietes wie Blaukehlchen, Rohrschwirl, Karmingimpel und der wohl bayernweit größte Bestand des Schilfrohrsängers mit 109-118 Revieren.

 

Wesentliche Beeinträchtigungen der Wiesenbrüterbestände in den Loisach-Kochelsee-Mooren sind vor allem Lebensraumverluste und -verschlechterungen, Entwässerungen und Auffüllungen im Grünland, Strukturarmut und Landschaftspflegedefizite, Verluste durch Mahd, Prädation von Gelegen und Jungvögeln, Verbuschung von Offenland und Störungen durch Freizeitaktivitäten, Jagd und Sportfischerei.

 

Maßnahmen zur Verbesserung der Situation sind dringend notwendig. Hierzu gehören insbesondere eine besser auf den Artenschutz der Wiesenbrüter abgestimmte Landschaftspflege durch eine Erhöhung des Bracheanteils und Strukturanreicherungen in den Streuwiesenkomplexen, hydrologische Verbesserungen inklusive der Anlage von Seigen und Flachtümpeln, Entnahme von Gehölzen mit besonders störendem Kulisseneffekt und Extensivierungen im Grünland und der Grabenpflege. Notwendig ist auch eine Durchsetzung der bestehenden Betretungsregelungen und die aktive Sicherung des Bruterfolgs beim Großen Brachvogel und bei Bruten des Braunkehlchens im Wirtschaftsgrünland.

Weitere Artikel aus unserer Kreisgruppen-Zeitschrift "Eisvogel"

Weitere Artikel von Bettina Kelm

  • Absturz der Wiesenbrüter, Magazin Natur/Konradin Verlag, Ausgabe: 6/2020
  • Schutzherr der Wiesenbrüter, Interview mit Tim Korschefsky, Koordinator des Artenhilfsprogramms Wiesenbrüter in Bayern am Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) an der Staatlichen Vogelschutzwarte in Garmisch-Partenkirchen zur Lage der Wiesenbrüter sowie nötigen und wirksamen Schutzmaßnahmen

Weitere Berichte / Presseberichte

Aktuelle Maßnahme unserer Biotoppflegegruppe zum Wiesenbrüterschutz auf der LBV-eigenen Fläche „Ochsensitz“ in den Loisach-Kochelsee-Mooren: