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Das Bratschenwehr ist ein kleines Moor nördlich von Zellwies. Besonders in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wurde hier gemäht und auf drei Teilflächen Torf gestochen. Zur Entwässerung wurden Gräben gezogen.
Entwässerte Moorböden werden mikrobiologisch zersetzt und schwinden. Dabei entstehen unter anderem große Mengen CO2. Nicht nur der besondere Lebensraum Hochmoor für Tiere und Pflanzen verschwindet, sondern auch der Torf und damit der Boden. Das Weidfilz ist zwischen 1920 und 2012 im Schnitt um 60 cm gesackt; der Torf hat sich „in Luft aufgelöst“. Ließe man die Entwicklung weiter ungebremst zu, wäre das Moor bei einer aktuellen Torfmächtigkeit von 130 bis 300 cm in 200 bis 400 Jahren verschwunden und nur noch mehr oder weniger nasser Kies bliebe übrig. Auswirkungen des Klimawandels sind hier nicht berücksichtigt. Zum Wachsen brauchte das Moor mindestens 4000 Jahre.
Die einzige Möglichkeit diese Entwicklung aufzuhalten, besteht darin, die Entwässerungsgräben zu verschließen und das Wasser wieder im Moor zu halten. Auf großen Flächen nördlich der Staatsstraße Königsdorf – Beuerberg wurden 2005 und 2015 sogenannte Schlitzgräben mit Torfpfropfen verschlossen. Im Luftbild erkennt man an den unterschiedlichen Farben, wo renaturiert wurde (graugrünes Wollgras) und wo noch Trockenheit herrscht (violett-braunes Heidekraut).
Im Bratschenwöhr sind die „Wunden“ im Moor größer: Es gibt drei große Torfstiche, von denen zwei aktuell technisch nicht sinnvoll zu vernässen sind und beim dritten die Einwilligung eines Eigentümers fehlt. Außerdem gibt es zwei große und einen kleineren Nord-Süd-Gräben und drei kurze Schlitzgräben. Um die großen Gräben zu verschließen, braucht es größere Bauwerke als nur Torfpfropfen. Diese Bauwerke müssen größere Anforderungen an Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit erfüllen. Ein Dammbruch nach Starkregen und damit einhergehende Schäden bei Unterliegern müssen ausgeschlossen werden. In der Vergangenheit wurden bei dieser Dimensionierung häufig mit stammholzarmierten Torfdämmen gearbeitet. Der Vorteil besteht darin, dass nur mooreigenes Material verwendet wird. Jahrzehnte der Moorrenaturierung zeigen aber, dass diese Dämme neben dem Verbrauch von großen Mengen Torf, Nachteile bezüglich der Dauerhaftigkeit haben. Erste Dämme in anderen Moore mussten ausgebessert werden, was meist auch mangels Materials nicht mehr mit Holz und Torf möglich ist. Deshalb wurde in der Planungsphase der aktuellen Renaturierung von Behördenseite der Einbau mehrerer Spundwände gefordert und in Folge drei Dämme nicht als stammholzarmierte Torfdämme sondern als Stahlspundwände ausgeführt. Diese brauchen aufgrund anderer bauphysikalischer Eigenschaften Zwangsüberläufe, wo bei Starkregen Wasser abfließen kann, ohne das umgebende Gelände zu beschädigen. Die Dimensionierung wurde von einem Ingenieurbüro berechnet. Diese Überläufe müssen in Fließrichtung nach unten gesichert werden, was durch einen Hinterbau mit Holzstämmen oder Wasserbausteinen erfolgt. Wir haben uns bei zwei Bauwerken für die Holzstämme entschieden, an einer besonders gefährdeten Stelle aber aus Stabilitätsgründen für die Steine.
Wie geht es nun weiter? Was uns aktuell fehlt ist Regen. Es war bei den Bauarbeiten erschreckend zu sehen, wie wenig Wasser aktuell im Moor ist. Deshalb sehen die Dämme auch noch etwas deplatziert aus. Wenn sie im Wasser stehen, erschließt sich die Planung. Mitglieder des LBV werden regelmäßig überprüfen, ob die Dämme intakt sind und Gehölze entfernen, die sich gerade in den ersten Jahren auf der Dammkrone ansiedeln und diese mit ihren Wurzeln zerstören. Zwei Schlitzgräben werden noch händisch mit Holz und Torf verschlossen. Weitere Maßnahmen sind nicht geplant. Das Moor soll sich wieder ungestört und ohne weitere Eingriffe entwickeln können.
Wir danken den Grundstückseigentümern, die Ihre Flächen für die Maßnahme zur Verfügung gestellt haben.
Dr. Sabine Tappertzhofen
Landesbund für Vogelschutz